Das BG und BRG Wien XII, Rosasgasse 1-3 – Eine Schule im Wandel der Zeit

Von der Gründung der Schule bis zum Ersten Weltkrieg

Die Schule wurde 1883 auf Eigeninitiative der kleinen Gemeinde Untermeidling (bei Wien) – zwischen Eichenwäldern und Getreidefeldern nahe der unregulierten Wien – als Kommunalgymnasium gegründet und zählte im 1. Unterrichtsjahr gerade 61 Schüler. Erst am 1. Jänner 1889 wurde die Schule aus dem aufstrebenden Vorort zum k. k. Staatsgymnasium „erhoben“. In seiner Anfangsphase war die Schule provisorisch gemeinsam mit der Volksschule im neu errichteten Gebäude in der Rosasgasse 8 untergebracht.

1890 erfolgte die Eingemeindung Untermeidlings in den XII. Bezirk von Wien1892 die Übersiedlung des nunmehrigen Wiener Gymnasiums in das neue Schulgebäude in der Rosasgasse 1-3, das in zweifach erneuerter Form noch heute den Kern der Schule bildet.

Vom 28. Jänner 1897 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges trug die Schule den offiziellen Namen „k. k. Carl-Ludwig-Gymnasium in Wien“, benannt nach dem 1896 verstorbenen, zweitältesten Bruder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog Carl Ludwig.

In dieser Zeit wurde 1908 – angesichts des 25-jährigen Jubiläums der Schule – der heute noch existierende „Verein ehemaliger Meidlinger Gymnasiasten“ begründet.

Während des Ersten Weltkrieges waren die Schüler der Oberstufe zur Teilnahme an militärischen Übungen verpflichtet. 2 Lehrer und 74 Schüler mussten unter Franz Joseph und dem Enkel Carl Ludwigs, Karl I., im Ersten Weltkrieg ihr Leben auf dem Schlachtfeld lassen.

Das k. k. Carl-Ludwig-Gymnasium musste sich in den Jahren 1915-18 das Schulgebäude mit der Realschule XV. am Henriettenplatz in einem eingeschränkten Wechselunterricht teilen, da am Henriettenplatz ab Weihnachten 1914 für mehrere Jahre ein Reservelazarett eingerichtet wurde.

Das BG/BRG Rosasgasse zur Zeit der Ersten Republik und unter der Herrschaft der Nationalsozialisten

In der Ersten Republik Österreich, 1918-38, wurde die Schule in „Bundesgymnasium in Wien XII“ umbenannt. Sie wurde erstmals ab 1919 koedukativ (teilweise gemischte Jungen- und Mädchen-Klassen) geführtNeben dem bis 1938 bestehenden klassisch-humanistischen Gymnasium wurden ab 1931/32 Realgymnasialklassen eingeführt.

1933 feierte die Schule – in einer Zeit der politischen und wirtschaftlichen Krise der Republik, die sich unter dem christlichsozialen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß auf dem Weg in den Austrofaschismus befand – ihr 50-jähriges Bestehen.

1938 erfolgte der „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich und damit verbunden eine Umgestaltung des Schulwesens.

Mit dem Schuljahr 1938/39 mussten die österreichischen Mittelschulen in das höhere Schulwesen des „Altreiches“ (= Deutsches Reich) übergeleitet werden. Die Grundsätze nationalsozialistischer Erziehungspolitik erforderten eine strenge Trennung der Geschlechter im Schulwesen. Die einheitliche Hauptform der höheren Schulen, die Oberschule, war daher in zwei geschlechtsspezifische Grundformen gegliedert, deren jede sich wieder in einen realistischen und einen sprachlichen Oberstufenzweig gabelte; wobei der realistische Zweig jeweils auf technische Männer- bzw. hauswirtschaftliche Frauenberufe ausgerichtet war und im sprachlichen Zweig die Oberschule für Mädchen geringere Standards vermittelte als die Oberschule für Jungen. Neben der Oberschule bestand als humanistische Sonderform noch das Gymnasium, welches aber nur der männlichen Jugend offen stehen sollte.

Das BG und BRG in Wien XII, Rosasgasse 1-3, wurde ab 1938 in eine Oberschule für Jungen (Typus: realistischer Zweig) umgewandelt.

Die Wissensvermittlung stand im Dienste der rassistischen Staatsideologie, „ziellose und unnationalsozialistische Arbeit“ wurde von der NSDAP im Bereich der Schule nicht geduldet.

Durch ideologische Gleichschaltung und sportliche Ertüchtigung („Leibeserziehung“) in den Schulen sollten die männlichen Schüler zu gehorsamen Soldaten für den Zweiten Weltkrieg (1939-45) erzogen werden.

Im Schulgebäude der Oberschule in der Rosasgasse machte sich der Kriegsalltag breit: 1941 wurde in der Schule ein Reservelazarett der Wehrmacht eingerichtet. Der Schulbetrieb musste zwangsweise in ein nahegelegenes, 1930/31 erbautes Schulgebäude in der Erlgasse 32-34 übersiedeln.

Hier war 1931-38 die tschechische Privatvolksschule des Vereins „Komensky“ (für Kinder der tschechischen Arbeiterkultur und Sprachkolonie in Wien) untergebracht gewesen. Da per Erlass des österreichischen Innenministeriums am 19. Juli 1938 allen Privatschulen Österreichs das Öffentlichkeitsrecht aberkannt worden war, musste auch die tschechische Privatvolksschule ihre Pforten schließen. Der Staat mietete das Gebäude in der Erlgasse an und wies im Oktober 1940 die bisher in einem gemeindeeigenen Haus in Wien XII, Schönbrunner Straße 189, untergebrachte Oberschule für Jungen (vormals eine 7-jährige Bundes-Realschule) in dasselbe ein.

Mit dieser Schule musste sich die Oberschule für Jungen aus der Rosasgasse ab 1941 das Schulgebäude in einem improvisierten Wechselunterricht teilen.

Im Sommer 1943 begann die alliierte Luftwaffe auch Wien zu bombardieren. Zwei Bombentreffer am 21. Februar 1945 sollten auch die Zufluchtsstätte der Rosasgasse in der Erlgasse schwer beschädigen und diese unbenützbar machen.

Ein „reduzierter Aufgabenunterricht“ wurde nun in der Oberrealschule am Henriettenplatz eingerichtet, wo 16-17-jährige männliche Schüler der Rosasgasse zusätzlich als Luftwaffenhelfer („Heimatflak“) dienen mussten oder zum Volkssturm einberufen wurden.

Als im April 1945 die vorrückenden Russen Wien und auch Meidling besetzten, wurde das Schulgebäude in der Rosasgasse von sowjetischen Truppen besetztab Juli 1945 wurde Meidling Teil der britischen Besatzungszone Wiens und das Schulgebäude von britischen Truppen genutzt. Vorübergehend fand der Schulbetrieb der „Rosasgasse“ in der Volksschule XII in der Singrienergasse statt.

Das BG/BRG Rosasgasse in der Zweiten Republik Österreich

Erst im Frühjahr 1946 gelang es Direktor Hofrat Dr. Groß das bombenbeschädigte und als Lazarett zweckentfremdete Schulgebäude vom englischen Bezirkskommandanten wieder für den Schulbetrieb übertragen zu bekommen. Es gelang, das Schulgebäude wieder herzurichten und unter widrigen Umständen (Lehrmittelmangel, Hungerkrise, Kälte im Winter, Krankheiten) den Schulbetrieb aufzunehmen. Die NS-Lehrpläne waren bereits im September 1945 aufgehoben worden, in der Rosasgasse 1-3 kehrte wieder das Meidlinger Gymnasium ein!

1948 wurde die Schule in ein Realgymnasium umgewandelt, das den Namen „Bundesrealgymnasium Wien XII“ trug. Der Schulbetrieb begann sich wieder zu normalisieren, die Schülerzahlen stiegen wieder deutlich an.

1958 beging das Bundesrealgymnasium eine Feier anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Schule.

Unter Direktor Groß erfolgten noch 2 weitere wichtige Ereignisse für die Schule:

  • 1963 wurde aufgrund einer neuen Schulgesetzgebung die Umwandlung des Realgymnasiums in ein realistisches Bundesgymnasium und ein naturwissenschaftliches Bundesrealgymnasium vorgenommen.
  • Da das Schulgebäude bereits seit Kriegsende zu klein und reparaturbedürftig war, wurde nach langen Bemühungen von Direktor Groß 1964-67 generalsaniert und mit Zubauten (inkl. den beiden Turnsälen an der Ehrenfelsgasse, Umgestaltung des Schulhofes zu einer Sportfreianlage) versehen. Die Schule nahm exakt jene Form an, die bis zur letzten großen Renovierung 2002-2004 erhalten blieb

Direktor Hofrat Dr. Wilhelm Groß hatte die Schule 1945-71 geführt, ihm folgte 1972-81 Direktor Hofrat Alfred Mathuber nach:

1976 wurde unter Direktor Mathuber zum zweiten Mal in der Schulgeschichte – gemäß dem Schulunterrichtsgesetz von 1974/75 – der koedukative Unterricht eingeführt.

1981wurde durch die Initiative des Direktors Mathuber die Rosasgasse vor dem Schulgebäude in eine Fußgängerzone umgestaltet.

Unter seinem Nachfolger, Direktor Hofrat Mag. Karl Wöginger, erfolgte 1982 auf Wunsch von Eltern und Schülern die Einrichtung eines Tagesschulheimes, das bis heute v. a. Kinder berufstätiger Eltern an den Nachmittagen betreut.

Mit Sommer 1991 trat Direktor HR Mag. Wöginger in den Ruhestand, und am 1. Jänner 1992 folgte Hofrat Dr. Gunther Petersch als Direktor nach.

Schon von Beginn seiner Amtszeit an wurde eine neuerlich notwendige Generalsanierung und Erweiterung des Schulgebäudes gefordert, doch finanzielle Gründe standen einer raschen Verwirklichung im Wege.

Im pädagogischen Bereich gab es einige Schulversuche (probeweise Einführung von Fachbereichsarbeiten zur Reifeprüfung 1991/92, Unterricht in 5-Tages-Klassen 1995/96 beginnend, Französisch statt Latein im Gymnasium ab der 3. Klasse seit 1997/98), die teilweise später ins Regelschulwesen übergeführt wurden.

Die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) kehrte auch im Schulwesen ein und ab 1992/93 gab es eine computergestützte Schülerverwaltung.

35 Jahre nach der große Sanierung der 1960-er Jahre sollte die notwendig gewordene Renovierung und ein weiterer Ausbau der Schule 2002-2004 erfolgen, die den Bemühungen des Hrn. Direktors HR Dr. Gunther Petersch und Initiativen aus dem Lehrerkollegium sowie der Elternschaft zu verdanken sind.

Für etwas mehr als 2 Schuljahre (2002/03, 2003/04) übersiedelte die Schule in das nahegelegene Ausweichquartier im ehemaligen GRG XII., Singrienergasse 19-21, das vorübergehend für viele Lehrer und Schüler eine Art zweite Schulheimat wurde.

Mit dem Schuljahr 2003/04 wurde auch die generelle Fünf-Tage-Woche in unserer Schule eingeführt, die sich organisatorisch bewährt hat, nicht zuletzt aufgrund einer per Gesetz verordneten Stundenreduktion in fast allen Fächern, die im gleichen Schuljahr stattfand.

Das BG und BRG Wien XII kehrte mit der offiziellen Rückübersiedlung am 22. Oktober 2004 in seine angestammte Wirkungsstätte – Rosasgasse 1-3 – in neuem, modernem Look zurück, um die Tradition des Hauses fortzusetzen und mit zukunftsgerichtetem, pädagogischem Weitblick ein neues Schulkapitel aufzuschlagen.

Am 9. Dezember 2004 wird die Wiedereröffnung der Schule mit einem großen Festakt offiziell begangen. Am 10. Dezember 2004 präsentiert sich die Schule in einem „Tag der offenen Tür“ der Öffentlichkeit. Dieser Tag der offenen Tür – nun im November – ist bis heute ein fester Bestandteil des Schullebens geworden.

Im November 2008 feierte die Schule ihr 125-Jahr-Jubiläum. Ungefähr zeitgleich wurde unter Hrn. Direktor HR Dr. Gunther Petersch eine neue Form der Oberstufe mit fächerübergreifenden Wahlpflichtmodulen (Arts & Projects, Cultural Studies, FIT, Italienisch, Naturwissenschaften, Raum und Zeit, Sportkunde) eingeführt und die Nachmittagsbetreuung zur „Tagesbetreuung” ausgebaut. Im Juni 2010 trat HR Dr. Gunther Petersch seinen Ruhestand an.

Seit Beginn des Schuljahres 2011/12 wird das BG und BRG Wien XII von Frau Direktorin Mag. Renate Siegl geleitet.